Der Philosophische Montag
Mit Dr. Gerd Grübler
Der Philosophische Montag ist ein Veranstaltungsformat der Arbeitsstelle für Lessingrezeption. In der Regel am letzten Montag des Monats werden wir gemeinsam philosophische Themen und Texte mit aktuellem Bezug vorstellen, diskutieren und weiterdenken. Die Veranstaltung möchte interaktiv sein und ausdrücklich Teilnehmer mit verschieden stark ausgeprägtem Engagement für die Veranstaltung ansprechen: Willkommen ist, wer nur zuhören möchte, wer über das Gehörte mitdiskutieren möchte, wer zur Vorbereitung Texte lesen möchte, wer selbst ein Thema vorstellen möchte. Die Bestimmung der konkreten Inhalte der Veranstaltungen erfolgt stets in Abstimmung mit den Teilnehmern, sodass ein großer Spielraum zur Mitgestaltung besteht.
Im Jahr 2026 wird die Veranstaltungsreihe unter der Überschrift Diskurs und Demokratie stattfinden. Damit eröffnen wir ein weites Spektrum von Themen der politischen und Sozialphilosophie und knüpfen damit nahtlos an die Diskussionen des letzten Jahres an.
#7 | Krieg und Frieden
Die Vorstellung systemtheoretischer Ideen in der vergangenen Sitzung hat die Möglichkeit gezeigt, gesellschaftliche Entwicklungsdynamiken auf eine alternative Weise zu verstehen: Nicht als freie Handlungen einzelner Personen, sondern als Realisation eines sozialen Systems, von dem die einzelnen Menschen versklavt und gezwungen werden, ihre Handlungen der Logik dieses Systems zu unterwerfen. Diese Betrachtungsweise ermöglicht einerseits ein tieferes Verständnis der Anreize und Effekte kollektiven Handelns etwa in der Politik oder der Wirtschaft und vermeidet damit eine nur oberflächliche, moralisierende Empörung über die Fehler Einzelner. Andererseits führt der Ansatz in seiner konsequenten Anwendung auf sich selbst zur Einsicht, dass jede Theorie einen Beobachter voraussetzt und dass daher jede Theorie immer wieder dadurch infrage gestellt werden kann, dass man diesen Beobachter beobachtet und seine Perspektive, seine Voraussetzungen und Annahmen explizit macht. Ja den Prozess der neuzeitlichen Philosophie könnte man damit gerade so beschreiben: »Aufklärung heißt, den Beobachter beobachten«.
In der kommenden Sitzung werden wir uns mit dem philosophischen Diskurs über Krieg und Frieden befassen. Die Klassiker der politischen Philosophie haben das Thema zumeist um ein erst rudimentär etabliertes Völkerrecht herum und am Leitfaden des ›gerechten Krieges‹ entlang behandelt. Dass man den Frieden durch Rüstung und Abschreckung erhält, ist dabei eine zentrale Annahme, die bis heute vertreten wird. Mit Kants Schrift ›Zum ewigen Frieden‹ und der darin enthaltenden Anregung zu einem Völkerbund gelangt eine globale Perspektive in die Diskussion. Zu den bestehenden Motiven fügt die Moderne und jüngere Vergangenheit schließlich einerseits die Verherrlichung des Krieges als Ausdruck der natürlichen Stärke einer Nation bzw. als psychologische Notwendigkeit echter Männlichkeit hinzu, andererseits aber auch die Haltung des strikten Pazifismus mit seiner Spielart des zivilen Widerstandes. In der bevorstehenden Veranstaltung werden wir uns einen Überblick über die verschiedenen Theorien verschaffen sowie pointierte Haltungen zu Krieg und Frieden diskutieren und auf ihre Plausibilität hin prüfen.
Ort & Zeit
31. August 2026, 18 Uhr
Galerie im Sakralmuseum
Nächster Termin: 5. September 2026
Organisatorisches
Aktuelle Informationen zur Reihe werden über einen Mailverteiler versendet. Die Aufnahme in den Verteiler kann über info[at]lessingrezeption-kamenz.de angefordert werden. Auch die Onlineteilnahme ist nach Aufnahme in den Mailverteiler möglich. Die Veranstaltung ist kostenfrei.