Der Philosophische Montag
Mit Dr. Gerd Grübler
Der Philosophische Montag ist ein Veranstaltungsformat der Arbeitsstelle für Lessingrezeption. In der Regel am letzten Montag des Monats werden wir gemeinsam philosophische Themen und Texte mit aktuellem Bezug vorstellen, diskutieren und weiterdenken. Die Veranstaltung möchte interaktiv sein und ausdrücklich Teilnehmer mit verschieden stark ausgeprägtem Engagement für die Veranstaltung ansprechen: Willkommen ist, wer nur zuhören möchte, wer über das Gehörte mitdiskutieren möchte, wer zur Vorbereitung Texte lesen möchte, wer selbst ein Thema vorstellen möchte. Die Bestimmung der konkreten Inhalte der Veranstaltungen erfolgt stets in Abstimmung mit den Teilnehmern, sodass ein großer Spielraum zur Mitgestaltung besteht.
Im Jahr 2026 wird die Veranstaltungsreihe unter der Überschrift Diskurs und Demokratie stattfinden. Damit eröffnen wir ein weites Spektrum von Themen der politischen und Sozialphilosophie und knüpfen damit nahtlos an die Diskussionen des letzten Jahres an.
#5 | Politische Anthropologie
Unsere Besprechung der staatskritischen politischen Theorien des Anarchismus sowie des Libertarianismus hat uns zwar kritische Impulse gegenüber einer unreflektierten Ausweitung privatwirtschaftlicher oder staatlicher Logiken und Zugriffe geliefert, konnte aber die Bedenken gegenüber einer völligen Ersetzung aller staatlichen Aufgaben durch Moral (Anarchismus) oder Markmechanismus (Libertarianismus) nicht zerstreuen. Vielmehr wurden wir zu der Frage geführt, welche impliziten Annahmen über den Menschen und/oder das gute Leben eine politische Philosophie dem Leser quasi ›unterschieben‹ muss, um ihre Ziele als wünschenswert oder doch zumindest plausibel erscheinen zu lassen. Denn ginge man – mit Habermas – davon aus, dass sich zwar die Regeln des Diskurses a priori erkennen, nicht aber die Werte und Ziele einer Gesellschaft auf gleiche Weise letztbegründen lassen, dann müsste jede gesellschaftliche Ordnung – wie z. B. die Eigentumsverteilung – als Ergebnis eines realen Diskurses ermittelt (und also nicht einfach vorausgesetzt) werden. Stattdessen scheinen die meisten politischen Theorien auf bestimmten Menschenbildern aufzubauen, und eine Debatte über diese Theorien wird daher eher steril bleiben, solange man ihre anthropologischen Annahmen nicht vorrangig zum Gegenstand des Diskurses macht. In der kommenden Veranstaltung werden wir daher die Geschichte politischen Denkens mit einem besonderen Augenmerk auf die darin verarbeiteten Menschenbilder und Ideen vom guten Leben betrachten. Dabei werden wir die schiere Unvermeidlichkeit anthropologischen Denkens ebenso wie die Gefahr erörtern, dass mit Behauptungen über das Wesen des Menschen lediglich eigene Interessen und Vorurteile transportiert werden.
Ort & Zeit
18. Mai 2026, 18 Uhr
Galerie im Sakralmuseum
Nächster Termin: 29. Juni 2026
Organisatorisches
Aktuelle Informationen zur Reihe werden über einen Mailverteiler versendet. Die Aufnahme in den Verteiler kann über info[at]lessingrezeption-kamenz.de angefordert werden. Auch die Onlineteilnahme ist nach Aufnahme in den Mailverteiler möglich. Die Veranstaltung ist kostenfrei.