Plakate und Grafiken von Helmut Brade sowie einige Keramiken von Martin Möhwald

Eine Sonderausstellung der Städtischen Sammlungen Kamenz und der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption

Mindestens zur alljährlichen Kamenzer Rede in St. Annen ist auch eines seiner unverkennbaren Plakate in der Lessingstadt zu sehen. Es war ein Glücksfall, dass die Künstlerin Claudia Berg im Jahre 2014 der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption ihren ehemaligen Lehrer und Mentor für die Gestaltung der Redenreihe empfahl! Nun gibt es in Kamenz in Form einer kleinen, ausgesuchten Sonderausstellung endlich eine persönliche Begegnung mit dem aus Halle an der Saale stammenden und lebenslang mit seiner Stadt verbundenen Helmut Brade, der als Grafiker, Grafikdesigner, Plakatgestalter, Bühnen- und Kostümbildner national und international bekannt ist.

Als Professor an der Hochschule für Kunst und Design, Burg Giebichenstein, prägte er Generationen von Künstlern und Künstlerinnen. 1999 bis 2003 war er Präsident der Freien Akademie der Künste zu Leipzig; seit nunmehr einem halben Jahrhundert ist er für internationale Theater und Opernhäuser tätig. Sein jüngstes und großartiges Bühnenbild ist derzeit in der Semperoper erlebbar – in Peter Konwitschnys Inszenierung Die Nase, einer Oper, die der erst 22-jährige Dmitri Schostakowitsch 1928 nach Gogols sozialkritischer, sarkastisch-absurder Erzählung komponierte.
Schon zu DDR-Zeiten war Helmut Brade als exzellenter Gebrauchsgrafiker sehr begehrt und erhielt beispielsweise im Jahr 1979 den Auftrag, das Werbeplakat für die Lessing-Ehrung der Republik anlässlich des 250. Dichtergeburtstages zu gestalten. Die Panne bei der Überlieferung der grundsätzlichen Informationen an den Künstler wurde seitens der Auftraggeber letztlich recht pragmatisch gelöst – auf Kosten der Gestaltung.

Wie jeder Mensch hat auch ein Buchstabe eine Seele und einen Körper.
Harry Mulisch

Helmut Brade hat Wiedererkennungswert. Seine Arbeiten sind einzigartig, phantasievoll, stecken voller Fabulierlust, sind hintersinnig und inspirierend. Verzeichnet sind aktuell 749 Plakate für Opern, Museen, Kinos und Theater, darunter auch zu Lessings Emilia Galotti (Tübingen 1983) und Minna von Barnhelm (Halle 2001). Brade sorgt sich um das Verschwinden von Aufklärung und den Verlust von Kultur in der Gesellschaft. Mit Heinrich Heine und Bertolt Brecht fühlt er sich verbunden. Für besondere Anlässe schreibt er gern einmal Requisitenbriefe, zeichnet Buchstaben, schreibt in schöner, schwungvoller Form Texte und Gedichte auf altes Kanzleipapier oder versammelt gemeinsam verschiedenste Tiere zeichnerisch und in Form eines Alphabets ›zu einer angenehmen Gesellschaft‹.
Zur Erwärmung in der kalten Jahreszeit entsteht im Bradeschen Atelier auf dem Hohen Weg in Halle so mancher Einstrich-Lessing. Mal zart und tastend, mal breit und kräftig, mal schwungvoll und kreiselnd – die Linie scheint regelrecht zu atmen und spiegelt jede Handbewegung ihres Schöpfers wider. Kein Wunder, dass Helmut Brade sich zeitlebens besonders der Geisteskultur und Kunst des asiatischen Kontinents verbunden fühlt, stellt doch die kalligrafische Beherrschung der Linie und der Schriftzeichen in vielen fernöstlichen Kulturen die Grundvoraussetzung für jede bildkünstlerische Betätigung dar. Das Schreiben, oder besser: Zeichnen, mehrerer Buchstaben ohne abzusetzen erfüllt hier ebenso eine wichtige Rolle wie der meditative Charakter der Handbewegungen und die Beschränkung auf das Wesentliche der Darstellung.
Der Arbeitstag beginnt meist auch mit einer Tasse edlen grünen Tees. Die Teekultur ist auch eine der vielen Gemeinsamkeiten, die ihn mit dem ebenfalls aus Halle stammenden Martin Möhwald verbindet. Der 1954 geborene Sohn der Bildhauerin und Keramikerin Gertraud Möhwald und des Malers Otto Möhwald hat im Laufe seiner Karriere als Keramikkünstler eine ganz eigene Form der Umdrucktechnik erschaffen: In einem aufwendigen Verfahren bringt er dabei grafische Vorlagen auf seine Keramiken auf und brennt sie bei über 1000 Grad in deren tönerne Gewandung ein. Martin Möhwald verwendet für einige seiner Gefäße – Kannen, Teeschalen, Teller – Plakatfetzen seines Freundes Brade und setzt sie in neue Zusammenhänge. Einige davon sind inzwischen wieder ins Bradesche Atelier zurückgekehrt und dienen unter anderem dazu, seinen Gästen erlesenen Tee zu servieren. Sicherlich in Erinnerung an das alte japanische Sprichwort: »Eine Tasse Tee anbieten, öffnet die Welt!«

Informationen zur Ausstellung

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 3. August 2022 um 19 Uhr statt. Zu diesem Anlass wird auch ein neues Buch von Helmut Brade vorgestellt. Es versammelt handgeschriebene Requisitenbriefe, die der Künstler für verschiedene Theater- und Opern-Inszenierungen geschrieben hat.

Dauer
4. August bis 11. Dezember 2022
Eröffnung am 3. August 2022 um 19 Uhr

Ort
Galerie im Sakralmuseum St. Annen – Klosterkirche und Sakralmuseum St. Annen
Schulplatz 5, 01917 Kamenz, Montag bis Freitag: 10 Uhr bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage: 11 Uhr bis 16 Uhr

 

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