Münzen, Hände, Finger: Berliner Hofjuden und die Erfindung einer deutschen Musikkultur

Vortrag von Liliane Weissberg (Philadelphia/USA)

 

Der wohlhabende Berliner Bankier und Geschäftsmann Daniel Itzig (1723–1799), mit dem auch Lessing bekannt war, war ein Hofjude Friedrichs des Großen. Itzig war ein Vertreter der Aufklärung und entschied, nicht zuletzt von Mendelssohns Gedanken zur Ästhetik und Bildung beeinflusst, dass seine Töchter Musikunterricht erhalten sollten. Er stellte dazu zwei Hofmusiker für den Cembalo- und Kompositionsunterricht ein. Diese Hofmusiker, Friedemann Bach und Philipp Kirnberger, waren ein Sohn bzw. ein Schüler Johann Sebastian Bachs, dessen Musik nun in Itzigs Stadtpalais Einzug halten sollte.
Es ist zum größten Teil den Töchtern Itzigs zu verdanken, dass Bach Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts neue Popularität erlangen sollte – in Berlin, aber auch in Wien und anderswo. Welche der Werke Bachs nun aber gespielt wurden und wie sie gespielt wurden, sollte nicht nur die Musikästhetik dieser Zeit, sondern auch deutsche Musikgeschichte prägen.

Liliane Weissberg ist Christopher H. Browne Distinguished Professor in Arts and Sciences an der University of Pennsylvania in Philadelphia/USA und lehrte als Gastprofessorin an zahlreichen Universitäten in den Vereinigten Staaten, der Schweiz, Österreich und Deutschland. Ihre Forschungsgebiete sind die deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft seit dem achtzehnten Jahrhundert und deutsch-jüdische Studien. Jüngste Buchpublikationen: Affinität wider Willen? Hannah Arendt, Theodor W. Adorno und die Frankfurter Schule (2011); Über Haschisch und Kabbalah. Gershom Scholem, Siegfried Unseld und das Werk von Walter Benjamin (2012); Juden. Geld. Eine Vorstellung (2013); Nachträglich, grundlegend? Der Kommentar als Wissensform in der jüdischen Moderne von Hermann Cohen to Jacques Derrida (mit Andreas Kilcher, 2018).

 

Termin

Dienstag, 29. Mai 2018, 19 Uhr
Röhrmeisterhaus, Lessingplatz 1, 01917 Kamenz

Eintritt: 3 € (ermäßigt: 1,50 €)

 

Zurück